
Art Exhibition:
Structure & Soul
The beauty of architectural structures meets the stories of the people who interact with them.
Exhibition Dates:
Session One: Oct 31, 2024 - Nov 21, 2024
Session Two: Nov 28, 2024 - Dec 19, 2024
Drei Fotografen, drei Blicke: Architektur und Seele
17.12.2024 18:00
Jessica Schön
Die Ausstellung Architecture — Structure & Soul in der Galerie Fotografie Sechs bringt die Arbeiten von 24 Fotograf*innen zusammen. Sie alle erforschen, wie Architektur und urbane Räume menschliche Erfahrungen formen. Drei von ihnen – Abdiaziz Abdullahi, Nicolai Balkow und Lukas Wagner – erzählen von ihren Herangehensweisen.
Abdiaziz Abdullahi: Fokus und Unmittelbarkeit
Wenn Abdiaziz davon erzählt, wie er einst mit der Spiegelreflexkamera seiner Schwester versuchte, den gewaltigen Sternenhimmel in den Bergen festzuhalten – und scheiterte –, wird eines deutlich: Schon seine frühen Fotografie-Erlebnisse scheinen von einem inneren Antrieb gezeichnet, die visuelle Komplexität eines Moments im Medium der Fotografie greifbar zu machen.
Die präzise Übersetzung des Flüchtigen in Form und Struktur wird so auch in Das Architekturbüro lesbar. In den klaren Linien des Gebäudes zeigt sich der Versuch, Raum zu gestalten und Chaos zu bändigen. In den Spiegelungen dieser Ordnung bricht das Unvorhersehbare durch: die flüchtige Umgebung und die wechselnden Licht- und Schattenmomente. Der manuelle Fokus, den Abdiaziz für seine Arbeitsweise bevorzugt, ist ein Mittel, die aus den überlagernden Bildebenen entstehende Komplexität zu beherrschen – der stillen Idee folgend, der Welt durch seine Bilder eine Form verleihen zu können, die jenseits der Sprache liegt.
Der klar introspektive Zugang zu seinen Motiven steht in einem spannungsgeladenen Gegensatz zu seiner Haltung, das Werk nicht nachträglich zu deuten. Abdiaziz’ Blick lädt ein, aber nicht fest; motiviert von der Vorstellung, dass zukünftige Generationen die Welt durch seine Augen sehen können.
Nicolai Balkow: Die Subversion des Alltäglichen
Nicolai Balkow beschäftigt sich in Vertical Village 02 mit den zufälligen, widerständigen Momenten, die entstehen, wenn Menschen die für sie geschaffene Umgebung auf ihre eigene Weise gestalten. Sein Zeugnis des «wilden Urbanismus» in Sofia dokumentiert, wie sich Bewohner*innen standardisierter Plattenbauten die von der kommunistischen Ägide pragmatisch und schnell erschaffene Realität aneignen. Jeder Balkon, jede Isolierung, jede Fensterveränderung erzählt eine eigene Geschichte und fügt sich in eine grosse Erzählung des Wandels.
Die Fotografie begleitet Nicolai seit seiner Schulzeit, als er beginnt, Filme selbst zu entwickeln. Schon damals interessieren ihn weniger die Gesamtbilder als die Details, die bei Vergrösserungen fast abstrakt wirken: Ein Vorgang, der zeigt, dass im Partikularen das grosse Ganze steckt.
Die Ästhetik der Spuren, die Menschen im Stadtraum hinterlassen – seien es abgerissene Poster, politische Botschaften oder der Verfall von Materialien – liegt für Nicolai in der Unwiederbringlichkeit des Zeitlichen: Diese vergänglichen Elemente brechen mit festen Strukturen und eröffnen Raum für individuelles, unvorhersehbares Handeln. In der Spannung zwischen Dokumentation und Bildkomposition schafft Nicolai neue Kontexte, die das subversive Potenzial dieser Ästhetik sichtbar machen: eine sich ständig verändernde Umgebung, die Normen hinterfragt, statt sie zu bestätigen.
Lukas Wagner: Das Unsichtbare im Bild
Lukas Wagner beschreibt seine Fotografie als einen organischen Prozess, in dem er sich von den Momenten und ihrer Umgebung leiten lässt. «Die besten Bilder kommen zu mir», sagt er. Die Serie Licentiate LRPS ist ein Ergebnis dieser Herangehensweise: Dann wird ein zufällig entdecktes Lichtspiel in der finnischen Taiga zu einer kontemplativen Studie von Licht und Dunkelheit.
Lukas lernt Fotografie noch an seiner Schule. Ein guter Freund nimmt ihn sogar einmal mit an die Uni an einen Kurs. Auf Reisen vertiefte er seine Praxis, bis er nach seiner Pensionierung als Arzt ernst macht und sich bei der Swiss Photo Club Academy anmeldet – eine Entscheidung, die auf der Suche nach Ausdruck eine Wendung markiert.
Für Wagner hat Fotografie eine transzendente Dimension. Ein gutes Bild lässt Betrachter*innen spüren, dass mehr in ihm steckt, als man sieht; gibt es frei, ohne alles zu verraten. In Nightly Secret verbindet die Aufnahme einer hölzernen Hausfassade mit warmen Lichtstreifen, die durch die Jalousien in den Schnee fallen, den Innenraum mit der Aussenwelt. Geometrische Muster aus Licht und Dunkelheit treten in Kontrast zu den natürlichen Linien des Waldes. Es entsteht ein Dialog zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen der vertrauten Realität und dem verborgenen Raum, der sie übersteigt.
Hinsehen, festhalten, loslassen
In der Begegnung von Architektur und Seele deuten sich in den Arbeiten der Fotografen nicht nur ständige Spannungen zwischen Struktur und Subversion an, sondern auch eine unerbittliche Einladung, die Welt jenseits ihrer sichtbaren Form zu erleben. Ihre Werke fordern uns heraus, den Moment als flüchtigen Zustand zu begreifen, der immer im Wandel ist. Vielleicht zeigt sich die Produktivität der Fotografie gerade in diesem schillernden Zwischenraum, in dem das Unsichtbare und Unausgesprochene neu entsteht.
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